Multibanking-Schnittstellen für KMU: die Details machens aus

Ein Erfahrungsbericht von Tobias Angehrn, Gründer & CEO Tresio AG

Vor zwei Jahren (im Frühjahr 2022) gingen wir mit unserer ersten Version unserer Multibanking Lösung an den Start. Seither konnten wir das Angebot und den Umfang kontinuierlich ausbauen und bieten unseren Kunden mittlerweile die Möglichkeit, für eine bessere Liquiditätsplanung und Live-Übersicht mehr als 10’000 Banken aus der Schweiz, 32 Europäischen Ländern, den USA und Kanada anzubinden.

Damit haben Unternehmen alle ihre Bankkonten, bei allen Banken, zentral an einem Ort. Zeit für einen Review und Ausblick.

Open Banking – wir brauchten mehr Zeit als geplant

Von Anfang an hatten wir bei Tresio die Vision, einen smarten Assistenten für KMU zu bauen, der den Überblick über alle Finanzdaten hat und Unternehmerinnen und Unternehmern so in Echtzeit aufzeigen kann, wie gut es im Betrieb gerade läuft und wo sie Optimierungsbedarf haben. Bankdaten spielten in dieser Vision von Anfang an eine zentrale Rolle.

Als wir uns im Frühjahr 2021, ein Jahr nach der Gründung von Tresio, zum ersten Mal ernsthaft mit dem Thema Multibanking Lösung auseinandersetzten, stiessen wir auf starken Widerstand – auch und insbesondere bei den Banken. Von Ebics (dazu später mehr) wussten wir damals nicht viel – ausser, dass uns überall zugeraunt wurde, wie kompliziert, aufwändig und teuer das sei – und so haben wir das getan, was Unternehmer in einer solchen Situation tun: wir gingen auf verschiedene Banken zu, und haben nach Möglichkeiten gefragt, um eine Anbindung zu bauen.

Ausgeschlossen, tönte es unisono. Findige Beratungsfirmen wollten uns helfen – mit projizierten Kosten von mittleren vier- bis fünfstelligen Beträgen pro Bank und hohen wiederkehrenden Kosten pro angebundenem Konto. Bei unserem Geschäftsmodell und als eigenfinanziertes Startup keine Option. Zudem kam ein neues Produkt von der Six Gruppe auf den Markt – das uns (damals) jedoch ebenfalls als zu aufwändig und teuer erschien, weswegen wir uns dagegen entschieden haben.

Es dauerte weitere 12 Monate und sehr viele Sales Calls mit den verschiedensten Anbietern (bei denen wir jedesmal dazugelernt  und die Materie etwas besser verstanden haben!), bis wir schliesslich unsere erste Version unseres eigenen Multibanking-Produkts ausrollen konnten.

Europa: PSD2 – der Standard und seine Tücken

Da uns die Schweiz zu kompliziert erschien beim Thema Open Banking, haben wir zunächst eine Lösung für die Banken im europäischen Ausland gebaut. Dank des in der EU verpflichtenden Standards PSD2 war dies für uns der deutlich einfachere Weg, um damit erste Banking-Erfahrungen sammeln zu können. Und ein paar Kunden hatten wir auch tatsächlich, die von Anfang an ihre Revolut Konten angebunden und uns Feedback gegeben haben – Kudos an euch! 

In der EU wurde 2018 die Payment Services Directive 2 eingeführt: Die PSD2 regelt den Zugang von „dritten Zahlungsdienstleistern“ auf die Zahlungskonten europäischer Bankkunden und verpflichtet damit seit 2018 sämtliche Banken in der EU, Drittanbietern via standardisierter Schnittstellen Zugriff auf die Konten ihrer Kunden zu ermöglichen. Im Prinzip ist es ein Perspektiven-Wechsel: Die EU legt damit explizit fest, dass Daten über Bankbewegungen nicht den Banken gehören, sondern deren Kunden.

Um diese Öffnung der Bankkonten entstand rasch eine eigentliche Industrie an Aggregatoren, welche sich die notwendigen Lizenzen beschafften und Schnittstellen an Tausende von Banken in der EU bauten, deren Daten vereinheitlichten, um diese dann wiederum über eigene Schnittstellen an Drittanbieter in standardisierter Form und je nach Modell angereichtert weiterzureichen. Der Kunde stimmt dem ganzen natürlich immer zu und kann den Prozess jederzeit stoppen.

Das Kernanliegen von PSD2 war die Öffnung von Kundenkonten, um den Zahlungsverkehr zu vereinfachen, um beispielsweise beim Online Shopping mit KLARNA (einer der führenden Open Finance Anbieter) direkt ab dem Bankkonto bezahlen zu können. Account Information Systems (AIS), sprich Dienstleister wie Tresio, die rein nur Bankinformationen abfragen, waren von Anfang an mehr ein Nebenprodukt der Payments Directive.

TRESIO arbeitet mit GoCardless (die unseren ersten Partner Nordigen gekauft hat) als Schnittstellen Anbieterin zusammen. Unsere Kundinnen und Kunden haben bereits mehrere Hundert Bankkonten aus dem Europäischen Ausland an unsere Applikation angebunden, und wir stellen folgendes fest:

  1. Der ganze Prozess ist extrem einfach und zu 100% durch-digitalisiert. Die Bank braucht weder Tresio als AIS zu kennen, noch hat sie irgendeine Möglichkeit, dem Kunden zu diktieren, was er mit seinen Daten macht und an wen er diese weiterreicht.

    Wir finden: sehr gut gemacht, genau so muss Open Banking sein – im Sinne des Kunden.
  2. Schnittstellen-Qualität:
    Es klingt immer alles super, und die Anbieter (Aggregatoren) rühmen sich alle mit ihren X-Tausend Schnittstellen. Fakt ist: Schnittstellen werden laufend geändert, und viele Anbieter haben Mühe, hier stets Up to Date zu bleiben – auch, weil ihnen die Banken nicht immer rechtzeitig mitteilen, wenn Sie Änderungen an den Endpunkten vornehmen.

    Das führt dazu, dass gerade die Anbindung von kleineren Banken in der EU oft doch nicht so reibungslos läuft, wie man das eigentlich erwarten würde. Die Schwierigkeit liegt dann immer darin, rauszufinden ob jetzt der Kunde, Tresio, der Schnittstellen-Provider oder doch die Bank das Problem ist – der Support-Ping-Pong ist vorprogrammiert.
  3. Re-Authentifizierung alle paar Monate nötig
    Der grösste Minuspunkt schliesslich sind die notwendigen Re-Zertifizierungen. Wie eingangs erwähnt, wurde PSD2 primär für Zahlungsdienstleistungen gebaut – sprich, sehr transaktionsbasiert. Eine langfristige Anbindung zwecks Datenaustausch war vermutlich gar nicht vorgesehen. Dementsprechend wurde das so gelöst, dass Anbindungen je nach Bank zwischen 30 bis maximal 180 Tage stehen bleiben – danach muss der Kunde die Verbindung übers Online Banking neu bestätigen. Für Kunden, die einen zuverlässigen und konstanten Einblick in die Transaktionen wünschen, eine lästige Sache – zumal die Verbindungen manchmal auch ohne Vorankündigung bereits früher gekappt werden und eine Re-Authentifizierung erfordern.

Die Grundidee von PSD2, dass Daten den Kunden und nicht den Banken gehören, gefällt uns sehr, allerdings wurde sie meiner Meinung nach nicht gut umgesetzt.

Wir empfehlen daher mittlerweile auch Kunden mit Bankkonten aus dem europäischen Ausland, wann immer möglich, ihre Banken zu fragen, ob sie auch unseren nächsten Standard unterstützen: Ebics.

Ebics: bewährt und stabil – aber noch kein digitaler Prozess

“Viel zu papierlastig, kompliziert, teuer, und überhaupt – das Produkt ist für Konzerne, nicht für eure Kunden! Keine Bank wird euch das jemals geben oder euch als Partner zulassen!” 

Das waren die ersten Rückmeldungen, die uns entgegen schallten – insbesondere auch von vielen Banken. Mehr dank eines glücklichen Zufalls sind wir schliesslich mit Konfipay (Windata) auf einen Anbieter aus Deutschland gestossen, der seit Jahren nichts anderes macht als Ebics Schnittstellen und sich entsprechend auskennt – und uns auch sehr rasch und unkompliziert eine Lösung aufsetzen konnte, die skaliert.

EBICS steht für Electronic Banking Internet Communication Standard. Dieser Standard sorgt für einen modernen, schnellen und sicheren Datenaustausch zwischen Banken und Software-Anbietern wie TRESIO. Der Prozess der Aufsetzung ist etwas papierlast, aber einmal aufgesetzt, laufen die Schnittstellen wie ein Uhrwerk und der Datenaustausch läuft ohne Unterbrüche.

Die Prozesse sind bei allen Banken leicht anders, aber vom Grundsatz her braucht es jeweils drei Dinge für eine solche Anbindung:

  1. Ein Antragsformular, um das Produkt bei der Bank zu bestellen
  2. Anschliessend stellt die Bank die Parameter aus, mithilfe derer wir (Tresio) die Anbindung initiieren können
  3. Wir wiederum erstellen die Initiierungsschlüssel, die der Kunde unterschreibt und der Bank retourniert.

Die schnellste Anbindung stand innerhalb von zwei Arbeitstagen (very well done, Credit Suisse!), bei den längsten zieht sich der Prozess auch schon mal über Monate hin – das liegt aber in der Regel primär daran, dass Verträge bei den KMU liegen bleiben und nicht unterschrieben werden. Normalerweise dauert der Prozess vom Antrag bis zur stehenden Verbindung zwei Wochen.

Wichtig ist es, mit den richtigen Leuten innerhalb der Bank zu sprechen. Ebics ist ein sehr spezifisches Produkt und nicht alle Berater wissen Bescheid über das Vorgehen. Mittlerweile haben wir mit so ziemlich allen Banken Standardprozesse aufgesetzt, durch die wir die Kunden führen und ihnen auch gleich sagen können, bei wem sie sich mit welchem Wortlaut melden können, um möglichst rasch und effizient die Anbindung zu bekommen. 

Und ja, nicht alle Banken bieten Open Banking Lösungen. Hier zeigen wir den Kunden auch gerne Alternativen auf und verweisen an Banken, die den Standard unterstützen.

Ebics ist für Unternehmen vorgesehen. Falls eforderlich (zB bei Immobilienkunden wird oft ein Teil privat gehalten) lassen sich, rein technisch gesehen, in der Regel jedoch auch problemlos Privatkonten anbinden. 

Wir sind grosse Fans des Ebics Standards für KMU Bankanbindungen:

  1. Ebics ist zuverlässig und läuft, einmal aufgesetzt, wie ein Uhrwerk – Datenverluste von ganzen Tagen, wie das bei API-basierten Protokollen immer mal wieder vorkommt, sind damit ausgeschlossen.
  2. Die Datenhoheit liegt beim Kunden. Es gibt bei Ebics keinen Mittelsmann, der mitliest und Pricing Hoheit hat.
  3. Ebics ist kostenlos. Dachten wir zumindest – bis wir die Bank in Luxembourg kennengelernt haben. Dort kostet das Produkt 1’000 EUR im Monat 😮. Das ist aber zum Glück wirklich der bisher einzige Ausreisser.

Ebics ist in der DACH Region und in Frankreich verbreitet, wir hören jedoch auch von den ersten US Banken, die eine Einführung prüfen. Speaking of:

USA: Das kann ja nicht so schwer sein

Ein Jahr nach Aufschaltung der ersten Banken-Schnittstelle kam ein erstes grösseres Family Office auf uns zu mit der Anfrage, ihre ca 150 Bankkonten sauber über Tresio abbilden zu können. Neben Europa und Schweiz, die wir mit dem Standard-Produkt abdecken, sind bei ihnen vor allem auch einige grösseren US Banken relevant.

Basierend auf unseren Erfahrungen, die wir in Europa gemacht haben, sahen wir kein Problem, den bestehenden Set Up zu kopieren und auf die USA auszuweiten. Mit PLAID haben wir auch rasch und unkompliziert einen verlässlichen lokalen Partner gefunden.

Doch wir haben uns getäuscht. Das Bankensystem in den USA unterscheidet sich fundamental zu dem in Europa. Während es hierzulande vor allem Spar- und Transaktionskonten gibt, kennt das amerikanische System eine Vielzahl weiterer Kontotypen, die alle leicht anders funktionieren und vor allem andere Outputs generieren.

Es brauchte mehrere Anläufe und Überarbeitungen, bis wir alle Konten des Kunden korrekt abbilden konnten.

Was uns sehr gut gefällt bei PLAID: Es braucht, im Gegensatz zu PSD2 in Europa, keine Re-Authentifizierung. Einmal eingerichtet, steht die Verbindung.

Eine Hürde, auf die wir bei PLAID gestossen sind, war der Fakt, dass die Datensätze in der Regel pro Bank und pro Kontoinhaber gebündelt ausgespielt werden – auch wenn dahinter mehrere verschiedene Unternehmen stehen. Dies brauchte grundlegende Anpassungen in unserer Infrastruktur, die bisher auf 1:1 Anbindungen ausgelegt war – so, wie wir es von Ebics kennen. Wir konnten dies jedoch lösen und unsere Kunden sehen ihre US-Bankkonten nun auch in Tresio jeweils mit dem korrekten Unternehmen verknüpft.

Was wir ebenfalls feststellen mussten: Im Gegensatz zur Schweiz, wo Ebics ein reines Unternehmens-Produkt ist, ist Open Banking ist in den USA interessanterweise von der B2C Seite getrieben. Das heisst: die Schnittstellen Provider bieten zwar Tausende Banken an, haben jedoch im Privatkundengeschäft eine deutlich bessere Abdeckung als für Unternehmen.

Was wir nun mit einigen Banken machen, um das zu umgehen: die Banken schalten den Unternehmenskunden einen Privat-Zugang auf, mit dem sie wiederum die Firmenkonten verknüpfen. Damit funktioniert PLAID und damit letztlich Tresio schliesslich über Umwege trotzdem, so dass auch die meisten Treasury- und Firmenkunden-Zugänge mit Tresio verknüpft werden können. Die Banken haben sich in der Hinsicht bisher sehr kooperativ verhalten.

Falls auch das nicht funktioniert, gibt es immer noch den Plan C: Wir bauen kundenspezifische Schnittstellen mit den Banken.

Erste Erfahrungen mit 1:1 Anbindungen

Es gibt auch Banken, die weder eine  Ebics Schnittstelle anbieten, noch von einem der Aggregatoren abgedeckt sind. Für ein umfassendes Cash Management kann es trotzdem wichtig sein, auch diese Konten anzubinden. Gerne prüfen wir solche Set Ups im Einzelfall für unsere Enterprise-Kunden.

Ein kürzlich fertiggestelltes Beispiel für eine solche individuelle Schnittstelle ist die Bank Vontobel. Vontobel bietet ihren institutionellen Kunden die Möglichkeit, täglich und automatisiert Excel-Files mit Kontobewegungen auf SFTP Server zu exportieren. Im aktuell fertiggestellten Set Up stellt Tresio den SFTP Server zur Verfügung, Vontobel ist verantwortlich für die tägliche Bereitstellung der Files mit den richtigen Informationen. Das Parsing und der Import erfolgt automatisch und auf täglicher Basis. Der Kunde sieht somit die Transaktionen und Kontostände bei Vontobel in der gleichen Qualität wie über eine herkömmliche Schnittstelle.

Die meisten grösseren Banken bieten auch API-Schnittstellen. Gerne stehen wir für individuelle Set Ups zur Verfügung. Je nach Land gelten die vorherrschenden gesetzlichen Bestimmungen bezüglich allfällig notwendiger Lizenzen dafür – wir schauen das gerne individuell an.

Fazit

Open Banking, Open Finance, Multibanking – aktuell sind viele “Buzzwords” im Umlauf und das Thema ist ziemlich gehypt.

Im Kern geht es um ein simples, aber nicht so einfach umsetzbares Grundbedürfnis jedes Unternehmers und Finanz-Verantwortlichen: Ich muss jederzeit wissen, wie viel Geld mir bei welcher Bank wann, und in welcher Währung, zur Verfügung steht, um sicherzustellen, dass ich meinen laufenden Verpflichtungen nachkommen kann.

Treasury Management – auch wenn wir diesen Begriff im Austausch mit KMU in der Regel vermeiden.

Bei Tresio vefügen wir mittlerweile über viel Erfahrung auf dem Gebiet Multibanking-Lösungen und heben uns von anderen Lösungen insbesondere damit ab, dass wir neben den Standardlösungen unserer Kundschaft auch sehr individuelle Lösungen anbieten können. Zudem sind wir dank unserer skalierbaren technischen Infrastruktur in der Regel im Vergleich zu anderen Treasury Lösungen preislich attraktiv für mittelgrosse Organisationen.

Wir sehen uns am Anfang der Reise im Multibanking Umfeld – das Potenzial ist immens, der Bedarf der KMU mit den heute verfügbaren Lösungen nach wie vor in weiten Teilen nicht abgedeckt.

Probieren Sie Tresio aus und werden Sie Teil dieser Reise!

Tresio

Über Tresio

Tresio wurde 2020 gegründet und ist ein innovatives Startup mit Sitz in Zürich mit der Mission, die Finanzabteilungen in KMU erfolgreicher zu machen. Tresio’s Finanzplanungs- und Analyselösung (FP&A) wurde speziell für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelt. Unser Angebot umfasst umfassende Liquiditätsplanung, Szenarioanalysen und Multibanking, ergänzt durch fortschrittliche Analyse-Dashboards, die nahtlos mit den täglich genutzten Systemen unserer Nutzer integriert werden können. Mit einem engagierten Team, das sich leidenschaftlich für die Unterstützung des Schweizer Mittelstands einsetzt, arbeiten wir kontinuierlich daran, die finanzielle Transparenz und Entscheidungsfindung für unsere Kunden zu verbessern. Tresio steht für Qualität, Innovation und Kundennähe, Werte, die uns als Unternehmen mit Sitz in der Schweiz auszeichnen und leiten.