Kreditlimite bei der Bank beantragen: Was KMU wissen müssen

Irgendwann kommt der Moment, wo das Konto am Monatsende etwas zu nah an null gerät, obwohl das Unternehmen eigentlich gut läuft. Offene Rechnungen, saisonale Schwankungen, ein Grossprojekt, das vorfinanziert werden muss: In solchen Situationen ist eine Kreditlimite bei der Bank das richtige Instrument. Doch wie funktioniert das genau, was kostet es, und wie überzeugt man die Bank?

Dieser Artikel gibt Geschäftsführerinnen, Inhabern und Finanzverantwortlichen in Schweizer KMU einen praxisnahen Überblick.

Was ist ein Kontokorrentkredit?

Ein Kontokorrentkredit – auch Kreditlimite oder «KK-Kredit» genannt – ist eine flexible Kreditlinie, die an Ihr Geschäftskonto gebunden ist. Anders als ein klassisches Darlehen erhalten Sie keinen fixen Betrag auf einen Schlag, sondern ein Rahmen, den Sie jederzeit und in beliebiger Höhe (bis zum vereinbarten Maximum) beanspruchen können.

Das ist der entscheidende Vorteil: Sie zahlen Zinsen nur auf den tatsächlich benutzten Betrag, nicht auf die gesamte Linie. Wenn Sie CHF 100’000 Limite haben, aber nur CHF 30’000 beanspruchen, zahlen Sie Zinsen nur auf die CHF 30’000.

Typische Einsatzbereiche:

  • Überbrückung von Zahlungszielen (z.B. 60 oder 90 Tage Lieferantenziel vs. sofortige Ausgaben)
  • Saisonale Schwankungen im Umsatz (Bau, Tourismus, Handel)
  • Vorfinanzierung von Projekten oder Grossaufträgen
  • Puffer für unvorhergesehene Ausgaben

Ein Kontokorrentkredit ist kein Dauerzustand, sondern ein Werkzeug für temporäre Liquiditätslücken. Wer die Linie dauerhaft voll ausschöpft, sollte eher über strukturelle Massnahmen nachdenken, oder mit der Bank eine andere Finanzierungsform prüfen.

Was kostet ein Kontokorrentkredit?

Die Kosten setzen sich aus zwei Komponenten zusammen:

1. Zinsen

Zinsen fallen auf den tatsächlich genutzten Betrag an. Bei Schweizer Geschäftsbanken liegen die Konditionen je nach Bonität, Laufzeit und Bankbeziehung aktuell typischerweise im Bereich von 2–4% pro Jahr. Der Zinssatz ist in der Regel variabel und wird von der Bank angepasst, wenn sich das Marktzinsniveau verändert.

2. Kreditkommission

Zusätzlich zu den Zinsen verlangen die meisten Banken eine Kommission auf den nicht beanspruchten Teil der Limite, die sogenannte Bereitstellungskommission oder Kreditkommission. Sie beträgt typischerweise 0.25% pro Quartal (1% pro Jahr) auf die gesamte eingeräumte Linie.

Rechenbeispiel: Sie haben CHF 200’000 Limite, nutzen davon durchschnittlich CHF 90’000.

  • Zinsen: 3% auf CHF 90’000 = CHF 2’700/Jahr
  • Kommission: 1% auf CHF 200’000 = CHF 2’000/Jahr
  • Total: CHF 4’700/Jahr

Fazit: Die Kommission macht die Kreditlimite auch dann nicht gratis, wenn man sie nicht nutzt. Es lohnt sich deshalb, die Limite realitätsnah zu dimensionieren – grosszügig genug für den Bedarf, aber nicht übermässig.

Wie beurteilt die Bank Ihr Kreditgesuch?

Banken vergeben Kredite nicht nach Bauchgefühl. Sie analysieren systematisch, ob ein KMU in der Lage ist, die Kreditlinie jederzeit zurückzuführen. Die zentralen Beurteilungskriterien:

Cash Flow – das wichtigste Kriterium

Der freie Cash Flow zeigt, wie viel Geld das Unternehmen aus der laufenden Geschäftstätigkeit erwirtschaftet, nach Investitionen und vor Finanzierungsausgaben. Banken verwenden ihn, um die Schuldendienstkapazität zu berechnen: Kann das Unternehmen seine Zinsen und allfällige Rückzahlungen aus dem laufenden Betrieb stemmen?

Wer seinen Cash Flow kennt, versteht, wann und warum er Liquiditätsbedarf hat, und kann das der Bank klar und nachvollziehbar erklären. Das erhöht das Vertrauen und erleichtert die Kreditvergabe erheblich.

Eigenkapital und Bilanzstruktur

Die Bank schaut auf das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital. Eine solide Eigenkapitalquote (in der Schweiz typischerweise mindestens 20–30%) signalisiert finanzielle Stabilität. Stark überschuldete Bilanzen oder ein negatives Eigenkapital sind ein klares Ausschlusskriterium.

Ertragslage und EBITDA

Ist das Unternehmen profitabel? Wie entwickeln sich Umsatz und Marge? Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) wird häufig als Referenzgrösse verwendet, um die Verschuldung ins Verhältnis zur Ertragskraft zu setzen (Nettoverschuldung / EBITDA).

Zahlungsverhalten und Kontoführung

Die Bank sieht Ihre Kontohistorie. Häufige Überziehungen ohne Limite, zurückgewiesene Zahlungen oder unregelmässige Eingänge wirken negativ. Wer seine Kontokorrentlimite beantragen will, sollte im Vorfeld auf eine saubere Kontoführung achten.

Qualität der Liquiditätsplanung

Immer mehr Banken verlangen, zumindest für höhere Limite, eine kurzfristige Liquiditätsplanung (z.B. rollierend für 13 Wochen). Eine solide, plausible Planung zeigt der Bank, dass Sie wissen, was auf Ihr Konto zu- und abfliesst.

Welche Unterlagen brauchen Sie?

Je nach Höhe der beantragten Limite und Bankbeziehung variiert der Aufwand. Als Grundregel gilt:

  • Jahresabschlüsse der letzten 2–3 Jahre (Bilanz, Erfolgsrechnung)
  • Aktuelle Zwischenabrechnung oder unterjährige Zahlen (bei Antrag nicht zum Jahresende)
  • Kurzfristige Liquiditätsplanung (3–12 Monate)
  • Bei höheren Beträgen: Businessplan oder Erläuterung der Mittelverwendung
  • Handelsregisterauszug, Unterschriftenberechtigungen
  • Allenfalls: Sicherheiten (Bürgschaft, Verpfändung von Vermögenswerten)

Tipp: Bereiten Sie die Unterlagen nicht erst auf Anfrage vor – gehen Sie vorbereitet ins Gespräch. Wer seinen Cash Flow, seine Liquiditätsplanung und seine Bilanz kennt und erklären kann, macht auf jedes Kredit-Kommittee einen professionellen Eindruck.

5 Tipps für die Beantragung

  • Früh genug handeln. Wer die Limite erst beantragt, wenn das Konto bereits rot ist, hat schlechte Karten. Sprechen Sie mit Ihrer Bank, bevor der Bedarf akut wird.
  • Den Bedarf klar begründen. «Ich brauche etwas mehr Puffer» überzeugt niemanden. «Meine Kunden zahlen durchschnittlich nach 55 Tagen, meine Lieferanten wollen nach 30 Tagen bezahlt werden – die Lücke beträgt CHF X» ist ein Argument.
  • Die Limite realistisch dimensionieren. Zu knapp und die Limite hilft nicht. Zu grosszügig und die Kommissionskosten steigen unnötig. Eine fundierte Liquiditätsplanung zeigt Ihnen den tatsächlichen Bedarf.
  • Die Bankbeziehung pflegen. Banken vergeben Kredite lieber an Kunden, die sie kennen. Regelmässige Updates, transparente Kommunikation und eine langjährige Kontobeziehung sind wertvoller als jede perfekte Bilanz.
  • Mehrere Angebote einholen. Die Konditionen variieren zwischen Banken. Es lohnt sich, zumindest eine zweite Meinung einzuholen, das verbessert die Verhandlungsposition gegenüber Ihrer Hausbank.

Gut vorbereitet ins Bankgespräch

Der grösste Hebel bei der Kreditbeantragung ist Vorbereitung. Wer seinen Cash Flow kennt, Liquiditätslücken frühzeitig erkennt und eine plausible Planung vorweisen kann, begegnet der Bank auf Augenhöhe.

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