Bitcoin im KMU: alles, was Sie jetzt dazu wissen müssen

Autor: Tobias Angehrn, Geschäftsführer Tresio

Kürzlich hat die Kryptowährung Bitcoin ihren 12. Geburtstag gefeiert. In den Medien geben vor allem die rekordhohen Kurse zu Reden – zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels liegt der Kurs bei USD 52’000 pro Bitcoin, was gegenüber dem Vorjahr knapp einer Verzehnfachung entspricht. Im Februar dieses Jahres hat der US Konzern Tesla Bitcoin für USD 1.5 Milliarden gekauft. Von diesen Schlagzeilen und Kurs-Exzessen kann man halten was man will – Fakt ist, die Kryptowährung ist definitiv im Mainstream angekommen, und Gespräche mit unseren Kunden wie GLA United   (Bericht am Ende des Artikels) zeigen, dass das Thema zunehmend auch Schweizer KMU beschäftigt.

In diesem Artikel klären wir die wichtigsten Fragen von Unternehmen im Zusammenhang mit Bitcoin:

  • Warum beschäftigen sich Unternehmen mit Bitcoin?
  • Welche Vorteile bietet Bitcoin kleinen Unternehmen?
  • Welche Gefahren gibt es für Unternehmen im Zusammenhang mit Bitcoin?
  • Was braucht es, um als Unternehmen Bitcoin zu akzeptieren?
  • Welche Zahlungsabwickler und POS sind Bitcoin fähig?
  • Wie werden Bitcoin verbucht?
  • Wie werden Bitcoin in der Buchhaltung bewertet?
  • Welche steuerlichen Auswirkungen haben Bitcoin für Unternehmen?
  • Case Study: Darum akzeptiert TRESIO Kunde Miguel Schweiger von der Marketing-Agentur GLA United Bitcoin

Warum beschäftigen sich Unternehmen mit Bitcoin?

Es gibt verschiedene Motivationen, warum Unternehmen mit Bitcoin in Berührung kommen können:

  1. Kunden möchten für Ihre Produkte oder Dienstleistungen in Bitcoin bezahlen.
  2. Unternehmen haben Zulieferer oder Remote-Mitarbeitende in Ländern wie Russland, in welche traditionelle Banküberweisungen teuer und umständlich sind.
  3. Unternehmen haben hohe Cash-Reserven und suchen nach einem Weg, die Negativzinsen auf dem Bankkonto zu vermeiden.
  4. Unternehmen mit hohen Cash-Reserven suchen nach Möglichkeiten, diese zu diversifizieren und gegen einen möglicherweise drohenden Anstieg der Inflation abzusichern. Die Geldmenge in den USA beispielsweise hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, und ist allein 2020 erneut um +25% angewachsen.
  5. Spekulation.

Welche Vorteile bietet Bitcoin kleinen Unternehmen?

Unternehmen bietet Bitcoin die folgenden Vorteile:

  1. Keine Gebühren
  2. Sofort-Überweisungen
  3. Weltweite Akzeptanz
  4. Keine Charge-Backs und Kreditkarten-Dispute
  5. Erschliessung von neuen Kundensegmenten

1. Keine Zahlungs-Gebühren

Kreditkarten-Transaktionen kosten 2-4%, Bitcoin 0.-1%. Insbesondere in Geschäftsfeldern mit dünnen Margen kann das einen enormen positiven Effekt auf den Cash Flow haben.

2. Instant-Überweisungen mit Bitcoin

Einer der frustrierendsten Aspekte des traditionellen Bankensystems sind die langen Zahlungsdauern. Das betrifft insbesondere Zahlungen vom und ins Ausland, wo Transaktionen via Swift System oft über mehrere Korrespondenzbanken gecleared werden. Dieser Prozess ist zeitaufwändig und teuer.

3. Weltweite Akzeptanz dank Bitcoin-Netzwerk

Unternehmen operieren zunehmend global. Bitcoin ist weltweit anerkannt und akzeptiert.

4. Keine Charge-Backs und Kreditkarten-Disputes mehr

Ficht ein Kunde eine Kreditkartenbelastung an, folgt oft ein Monatelanger Spiessrutenlauf mit ungewissem Ausgang, um gegenüber dem Zahlungsabwickler zu beweisen, dass die Belastung rechtens war. Kleinere Unternehmen, insbesondere im Software-Bereich, verzichten oft darauf, und lassen so Geld liegen. Wenn Sie in Bitcoin bezahlt werden, gehören diese unwiderruflich Ihnen, sobald sie verbucht sind.

5. Vorreiterrolle und neue Kundensegmente

  • Die Bitcoin Community ist eine verschworene Gemeinschaft. Wenn Sie ankündigen, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren, wird das definitiv wahrgenommen.
  • Sie sprechen mit dem Angebot neue Kundensegmente an: Technik-affine Millenials, aber auch für die zahlreichen und stark wachsenden Startups im Zuger Crypto-Valley können Ihre Produkte und Dienstleistungen mit der Akzeptanz von Bitcoin als Zahlungsmittel attraktiver werden.
  • Bestehende Kunden und Partner nehmen sie als innovativ wahr.

Welche Gefahren gibt es für Unternehmen im Zusammenhang mit Bitcoin?

Für Unternehmen bestehen im Zusammenhang mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen die folgenden Risiken:

  • Voliatilitätsrisiko
  • Cryber-Risiken
  • Verlustrisiko

Risiko 1: Volatilität von Bitcoin

Der grösste Nachteil im Zusammenhang mit Bitcoin im Unternehmenskontext ist die extreme Volatilität. In der Woche vor der Erstellung dieses Artikels beispielsweise schwankte die Währung zwischen 57’000 und 46’000 USD. Das macht es für Unternehmen sehr gefährlich, ernsthafte Beträge in Bitcoin zu halten. Aktuell gibt es für Unternehmen keinen Grund, Bitcoin in der Bilanz zu halten, ausser Spekulation. Die meisten Zahlungsabwickler (siehe nächster Abschnitt) konzentrieren sich daher primär darauf, Zahlungen in Kryptowährungen anzunehmen, und dann sofort in die Heimwährung umzurechnen.

Bitcoin Chart: Die Kursausschläge sind extrem.
Bild: currency.com

Risiko 2: Cyber-Sicherheit

Ein zusätzliches Risiko von Bitcoin im KMU-Alltag liegt in der Cybersicherheit: im Gegensatz zu Banken ist der Krypto-Markt nicht reguliert, und bekannte Online-Börsen wurden in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Hacker-Angriffen. Am sichersten ist daher das sogenannte «Cold Storage» – die Verwahrung der Bitcoins auf einem Datenträger, der nicht mit dem Internet verbunden ist.

Risiko 3: Verlust

Auch im sogenannten Cold-Storage lauern Gefahren: gehen diese elektronischen Schlüssel verloren, ist das Bitcoin-Vermögen unwiderruflich weg.

Was braucht es, um als Unternehmen Bitcoin zu akzeptieren?

Die einfachste Variante ist es, mit Zahlungsabwicklern zusammenzuarbeiten, die sich explizit auf die Abwicklung von Krypto-Zahlungen spezialisiert haben. Eine Auflistung finden Sie im nächsten Abschnitt.

Die meisten dieser Merchant-Lösungen haben sich darauf spezialisiert, dass sie Zahlungen in Kryptowährungen annehmen, die Auszahlung an die Unternehmen erfolgt jedoch in Fiat-Währungen (CHF, USD, EUR). Das heisst, als Unternehmen kommen Sie in diesem Falle gar nicht erst mit der Kryptowährung in Berührung – bieten Ihren Kunden jedoch trotzdem eine neue Zahlungsmöglichkeit an.

Mit dem nötigen technischen Verständnis ist es auch möglich, sich selbst ein solches Zahlungssystem zu bauen:

  1. Zunächst wird ein Account auf einer Krypto-Börse benötigt, um überhaupt traditionelle Währungen (Fiat-Gelder) in Bitcoin zu tauschen und vice versa. Die bekanntesten Börsen dafür sind BitStamp , Bitfinex und Kraken .
  2. Der zweite Schritt besteht darin, eine Wallet Client Software, zum Beispiel hier,  herunterzuladen.
  3. Sobald die Wallet installiert ist, sind Sie in der Lage, damit Zahlungen in BTC zu erhalten und zu senden. Achtung: behandeln Sie diese wie Bargeld, und schützen Sie sie entsprechend! Sollten Sie wirklich namhafte Unternehmens-Gelder darauf verwahren, besteht die Gefahr, dass Sie früher oder später gehackt werden.

Welche Zahlungsabwickler und POS sind Bitcoin fähig?

Die folgenden Zahlungsabwickler haben sich auf die Abwicklung von Zahlungen von Firmenkunden in Bitcoin spezialisiert:

Zusätzlich haben auch Paypal, VISA und MASTERCARD angekündigt, dass sie in naher Zukunft Systeme und Möglichkeiten für die Abwicklung von Bitcoin Zahlungen anbieten wollen.

Wie werden Bitcoin verbucht?

Wie Bitcoin und andere Kryptowährungen im Einzelfall verbucht werden, hängt vom Verwendungszweck ab. Grundsätzlich gibt es drei Varianten, wie Sie als Unternehmen Bitcoin verbuchen können:

  1. Verbuchung als Fremdwährungen
  2. Verbuchung als Wertschriften
  3. Verbuchung als immaterielle Anlagen

Verbuchung von Bitcoin als Fremdwährung

Dies kann dann in Betracht gezogen werden, falls die Kryptowährungen tatsächlich zur Bezahlung von Rechnungen vorgesehen sind. Expert Suisse, der Expertenverband für Wirtschaftsprüfung, Steuern und Treuhand, erachtet dies in ihrem Positionspapier als nicht sachgerecht, da wichtige Voraussetzungen von Fremdwährungen wie etwa Staatliche Ausgabestelle und offizielle Anerkennung als Zahlungsmittel nicht gegeben seien.

Verbuchung von Bitcoin als Wertschriften

Diese Bilanzposition ist laut Meinung von Expert Suisse am besten geeignet. Falls die Bitcoin gleich wieder ausgegeben werden sollen, erfolgt die Einbuchung unter der Position kurzfristig gehaltene Wertschriften im Umlaufvermögen, falls der Zweck der Kryptos tatsächlich der längerfristige Wertzuwachs ist, erfolgt die Einbuchung unter den Finanzanlagen im Anlagevermögen.

Verbuchung von Bitcoin als Immaterielle Anlagen nach IFRS

Nach IFRS Standard werden Kryptowährungen als immaterielles Anlagevermögen (Intangible Assets) verbucht.

Anmerkung: Wie Kryptowährungen verbucht werden müssen, ist nicht abschliessend geklärt, da es sich um eine immer noch neue Asset-Klasse handelt. Es ist zu erwarten, dass mit zunehmender Verbreitung verbindliche Standards festgelegt werden. Die Bilanzposition ist insbesondere dann relevant, wenn eine Bilanz beurteilt und ausgewertet wird, beispielsweise im Zusammenhang mit einer Kreditaufnahme. Es ist in dem Zusammenhang allerdings davon auszugehen, dass die meisten Schweizer Schweizer Banken die Position als nicht werthaltig bewerten und den Bilanzwert dementsprechend nach unten korrigieren würden.

Wie werden Bitcoin in der Buchhaltung bewertet?

Es gibt für in der Schweiz domizilierte Unternehmen zwei Möglichkeiten, wie sie Bitcoin und andere Kryptowährungen in der Bilanz bewerten:

  1. Nach dem Niederstwert-Prinzip, beziehungsweise zu den Anschaffungskosten.
  2. Bewertung zu Börsenkursen, beziehungsweise beobachtbaren Marktpreisen.

Welche steuerlichen Auswirkungen haben Bitcoin für Unternehmen?

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) behandelt Bitcoin für Steuerzwecke wie Fremdwährungen.

Die Mehrwertsteuer fällt auch auf Bitcoin Transaktionen an – ganz genau gleich, wie in jeder anderen Währung.

Allfällige Kursgewinne müssen über eine Buchung Bitcoin-Konto (10xx) / Wechselkursgewinne (6952) gebucht und in der Erfolgsrechnung entsprechend ausgewiesen werden. Diese sind somit Gewinn-relevant.

Mögliche Buchgewinne aufgrund von Wertsteigerungen können somit einen erheblichen Einfluss auf die Höhe der Steuern haben.

Sprechen Sie vorgängig mit Ihrem Treuhänder, um unliebsamen Steuer-Überraschungen vorzubeugen.

Case Study: Darum akzeptiert TRESIO-Kunde GLA United Bitcoin

Bild: GLA United

GLA-United ist eine Full-Service Marketing-Agentur mit Sitz in Zug, Shenzhen und London.  Das Unternehmen bietet seinen Kunden an, Rechnungen in Bitcoin zu bezahlen. Seit einiger Zeit nutzt das Unternehmen für die finanzielle Planung TRESIO.

Ich habe mich mit Mitgründer und Managing Director Europe Miguel Schweiger zu ihren Bitcoin-Aktivitäten unterhalten: «Privat habe ich mich schon länger mit Kryptowährungen befasst und ich sehe darin sehr viel Potenzial. Für das Unternehmen erachteten wir den Zeitpunkt für einen Einstieg bis vor kurzem noch als zu früh – als uns nun jedoch vermehrt Kunden darauf angesprochen haben, ob sie ihre Rechnungen nicht auch in BTC bezahlen könnten, haben wir uns entschlossen, diese Möglichkeit einzuführen».

Ich sehe bei den Kryptowährungen ein enormes Potenzial und eine riesige Chance –

gerade auch für uns KMU!

Miguel Schweiger, Co-Founder GLA-United AG

Digitale Pionierin

Schweizweit betrachtet gehört das KMU mit der Akzeptanz von Bitcoin zu den Vorreitern. Zufall ist das wohl nicht: Hauptsitz von GLA-United ist die Stadt Zug, und da ist die Thematik generell weiterverbreitet als im Rest des Landes – viele der aufstrebenden Blockchain-Startups haben sich im Zuger Umland angesiedelt, und seit diesem Jahr ist es im Kanton Zug sogar möglich, die Kantonssteuern in Bitcoin und Ether zu bezahlen.

Sehr gut sei das neue Angebot auch von der Kundschaft in London und dem chinesischen Shenzhen angenommen worden.

Ziel: Kundengewinnung und Krypto-Netzwerk stärken

Nebst neuen Kunden erhofft sich Miguel Schweiger mit der Einführung von Bitcoin als Zahlungsmittel vor allem auch, mit seinem Early Move das Bitcoin-Netzwerk insgesamt zu stärken – dieses profitiert von jeder zusätzlichen Akzeptanzstelle.

Volatilität als Herausforderung

Eine Herausforderung im Zusammenhang mit Kryptowährungen ist aus Cashflow-Sicht ist die hohe Volatilität, sprich die Kursschwankungen nach unten und oben: Irgendwann muss zwangsläufig vereinbart werden, zu welchem Kurs abgerechnet wird. Steigt nun dieser bis zur Bezahlung, ist der Kunde allenfalls versucht, in CHF zu bezahlen, fällt er, zahlt er mit einer Währung, die plötzlich 10% oder mehr an Wert verloren hat.

GLA United löst diese Herausforderung so, dass alle Aufträge und Offerten grundsätzlich in CHF erstellt werden. Zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung wird mit den interessierten Kunden dann jeweils vereinbart, wie hoch der Betrag in CHF ist und wie demgegenüber die Zahlungsmodalitäten in BTC sind. Um starken Kursschwankungen entgegenzuwirken, sind die Zahlungsziele in BTC deutlich kürzer als in den Fiat-Währungen.

Das Unternehmen sammelt diesbezüglich noch Erfahrungen und wird den Checkout-Prozess zusammen mit den Kunden weiter optimieren.

Leistungsstarke Open Source Lösung

Für die Abwicklung der Transaktionen hat sich das Unternehmen nach längerer Suche für BTC Pay https://btcpayserver.org/ entschieden: die Lösung ist Open Source und lässt sich sehr stark auf die individuellen Bedürfnisse anpassen – und, entgegen den meisten anderen Zahlungsabwicklern, werden die Kryptowährungen bei BTC Pay nicht automatisch in Fiat-Währungen umgetauscht, sondern können auch auf eine Wallet weitertransferiert werden.

Open Source und stark individualisierbar: Bitcoin Checkout von BTC Pay.
Bild: GLA United.

Schweiger sieht dies gegenüber anderen Lösungen als klaren Vorteil, da man einen kleinen Prozentsatz des Umsatzes in Krypto-Währungen behalten wolle – und so von einem möglichen zukünftigen Wertzuwachs profitieren. Unternehmen, die ebenfalls Zahlungen in Bitcoin akzeptieren möchten, unterstützt GLA United gerne bei der Implementierung – und bis Ende Jahr profitieren sämtliche Kunden, die in Bitcoin zahlen, bei GLA-United von 10% Preisnachlass.

DISCLAIMER

Dieser Artikel stellt keine Investitionsempfehlung oder Handlungsaufforderung irgendeiner Art dar. Bitcoin, wie auch alle anderen Kryptowährungen, sind volatil und im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust, was gerade kleinere Unternehmen mit beschränkten Cash-Reserven sehr empfindlich treffen und im schlimmsten Fall in die Insolvenz treiben kann. Es gibt für Unternehmen aktuell keinen Grund, Kryptowährungen in der Bilanz zu halten, ausser Spekulation. Informieren Sie sich vor der Einführung von Bitcoin als Zahlungs- oder Wertaufbewahrungs-Mittel unbedingt über die damit verbundenen Markt- und technologischen Risiken. Wow, das ist das erste Mal, dass wir einen Artikel mit Disclaimer versehen.

TRESIO ist das erste Cash Flow Planungstool,

das Bitcoin und Ether abbilden kann.

mehr unter www.tresio.ch