Crowdlending als Finanzierungs-Alternative: 8 Tipps für KMU

Beim Crowdlending, auch Peer-to-Peer (P2P) Finanzierung genannt, tritt im Gegensatz zu einer konventionellen Finanzierung keine Bank als Kreditgeberin auf, sondern die Kreditsumme wird von mehreren Darlehensgebern (dem Schwarm, der sogenannten Crowd) gegen einen im Voraus vereinbarten Zins direkt bereitgestellt. Für Unternehmer stellt diese Art der Geldbeschaffung eine spannende Alternative zum herkömmlichen Bankkredit dar: die Abwicklung ist bei den meisten Anbietern komplett digital und damit deutlich schneller als bei traditionellen Banklösungen, und der minimale Kreditbetrag ist sehr oft geringer als bei Banken.

Wichtig für Mikrounternehmen,
spannende Alternative für etablierte KMU

134 Millionen haben Schweizer Unternehmer laut einer Studie der Hochschule Luzern im Jahr 2018 über P2P Plattformen finanziert. Damit entsprechen die Schwarm-finanzierten Kredite zwar laut besagter Studie nicht einmal ganz 1 Promille der gesamthaft vergebenen Firmenkredite. Gerade für Kleinstunternehmen sind diese neuen Angebote dennoch eine wichtige Stütze und als tragendes Standbein der Finanzierungsstruktur nicht wegzudenken: so geben laut Seco 27% der KMU mit Finanzierungsbedarf an, dass sie sich von traditionellen Banken nicht ausreichend versorgt fühlen.

Als ergänzende Finanzierungsquelle ist Crowdlending auch für etablierte Mittelstandsunternehmen interessant: diese haben zwar zumeist keine Probleme, eine Finanzierung über die Hausbank zu arrangieren. Allerdings kann es sinnvoll sein, aus strategischer Überlegung auf mehr als einen Finanzierungspartner zu setzen. So vermeidet man Klumpenrisiken und zu starke Abhängigkeiten – beispielsweise, wenn die Hausbank nicht flexibel genug ist, eine zusätzliche Finanzierung rasch zu stemmen.

Eine spannende Variante kann es auch sein, für das Unternehmen eine zusätzliche Finanzierungslinie zu beantragen, die für Notfälle oder Engpässe kurzfristig bereitsteht: diese können Crowdlending-Anbieter im Gegensatz zu Banken oft kostenlos und sehr kurzfristig zur Verfügung stellen.

Finwize, der Finanzierungspartner von Tresio, hat den Crowdlending-Markt in der Schweiz analysiert. Die komplette Studie, inklusiv Übersicht aller Anbieter in der Schweiz und deren Gebühren, kann hier kostenlos bezogen werden.

8 Tipps für die Auswahl der richtigen Plattform

Nachfolgend haben wir 8 Tipps zusammengestellt, wie Unternehmen die für sie passende Plattform auswählen:

1. Werden Sie sich klar bezüglich der Art der gewünschten Finanzierung.
Langfristig, kurzfristig, einmalig, wiederkehrend? Überlegen Sie sich, was für eine Art von Finanzierung die momentanen Bedürfnisse Ihres Betriebes am besten abdeckt. Einige Anbieter bieten Lösungen für alle Bedürfnisse an, andere haben sich auf bestimmte Aspekte spezialisiert.

2. Achten Sie auf die Anforderungen der Plattform an Ihr Unternehmen.
Machen Sie sich mit den formalen Mindestanforderungen der Plattformen wie Mindestalter und -Umsatz, sowie Rechtsformen die möglicherweise vom Angebot ausgeschlossen sind vertraut. Fragen Sie gezielt da an wo Ihr Unternehmen die Anforderungen erfüllt.

3. Vergleichen Sie die Plattformgebühren.
Für Sie als Kreditnehmer ist immer das Total der Gebühren massgebend, also auch etwaige Gebühren die dem Investor in Rechnung gestellt werden.

4. Die Höhe der Zinsen können Sie ausser Acht lassen.
Die Zinsen spielen eine vernachlässigbare Rolle bei der Wahl einer Plattform: diese sind im Voraus schwer einzuschätzen für Sie da sie von Ihrem Rating sowie vom aktuellen Risikoappetit der Investoren bestimmt werden. Aufgrund des Markt-Effektes gleichen sich die Zinsen auch stark an zwischen den einzelnen Plattformen.

5. Überlegen Sie sich, wie wichtig Ihnen eventuell die Anonymität ist.
Beim Crowd-Lending gehen Sie einen Vertrag mit einem oder mehreren Investoren ein. Das bedeutet, dass diese irgendwann zumindest Ihren Namen erfahren und, je nach Plattform, Einblick in den finanziellen Zustand Ihres Unternehmens erhalten. Falls Ihnen dieser Aspekt wichtig ist, informieren Sie sich am besten vorgängig welcher Personenkreis in welchem Detailgrad welche Daten von Ihnen sieht. Bedenken Sie jedoch: aus der Sicht der Investoren ist die Transparenz sehr wichtig und Ihre Finanzierungschancen sind in der Regel deutlich höher, je besser die Investoren Ihr Unternehmen einschätzen können.

6. Achten Sie auf die Zuverlässigkeit der Plattform.
Damit sich die Finanzierung rasch und unkompliziert nach Ihren Wünschen umsetzen lässt brauchen Sie einen zuverlässigen Finanzierungspartner mit ausreichend grosser Investoren-Basis. Mögliche Anzeichen können die Grösse, Bekanntheit und Erfahrung des Anbieters sein, wobei es natürlich auch spannende Nischen-Anbieter und innovative Newcomer gibt.

7. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.
Wie fühlt sich die Webseite des Unternehmens an? Finden Sie sich leicht zurecht, oder müssen Sie lange suchen bis Sie die Informationen finden, die Sie benötigen? Wer steht hinter der Plattform? Würden Sie dem Anbieter Ihr persönliches Erspartes zur Anlage anvertrauen?

8. Holen Sie sich unabhängige Unterstützung.
Informationen zu den Anbietern und Crowdlending allgemein erhalten Sie beim Branchenverband Swiss Marketplace Lending Association. Es gibt auch unabhängige KMU-Finanzberater wie finwize, die sich explizit auf alternative Finanzierungsformen spezialisiert haben, den Crowdlending-Markt sehr gut kennen und Sie so auf dem Weg zu Ihrer Wunschfinanzierung unterstützen können.